Dorstener Geschichte - Station 12: Zwangsarbeiter

„Wir dürfen sie nicht vergessen", mahnt der Gedenkstein auf dem sogen. 'Russenfriedhof' (in unmittelbarer Nähe des Waldfriedhofs). 8. Februar 2003: Zur Übergabe der neuen Tafel haben sich zahlreiche Mitbürger versammelt, darunter die Schüler der Geschichts-AG des Gymnasiums Petrinum und viele Mitglieder des LC Dorsten-Hanse. Bürgermeister Lütkenhorst: „Diese Menschen sind Teil unserer Geschichte. Die neue Station erinnert an die Schuld, aber auch an Zivilcourage von Menschen dieser Stadt".

Josef Ulfkotte, in 2002/03 Präsident des LC Dorsten-Hanse und Hans-Jochen Schräjahr, Leiter der Geschichts-AG sind mit dem Thema „Zwangsarbeiter in Dorsten" seit Jahren beschäftigt: „Hier sind deutlich mehr als 600 russische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen begraben". Die Station wird von Mitgliedern des LC Dorsten-Hanse finanziert.



Mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen entfesselt Hitler den 2. Weltkrieg

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1939

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Nach Kriegsbeginn arbeiten Gefangene und zivile Zwangsarbeiter aus den besetzten Gebieten in Dorstener Betrieben und in der Landwirtschaft. Im heutigen Stadtgebiet entstehen mehr als 35 Lager.

Sowjetische Kriegs­­gefangene vor dem Arbeitseinsatz

1942

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Im Lager an der Schleuse treffen Ende des Jahres die ersten 1000 sowjetischen Kriegsgefangenen ein. Die Stadt Dorsten wird aufgefordert, umgehend einen Friedhof „für etwa 2000 Russen" anzulegen, der an dieser Stelle entsteht. Viele sterben nach kurzer Zeit an Entkräftung, an menschen­­unwürdigen Arbeits- und Lebens­­bedingungen; manche werden erschlagen oder erschossen. Obwohl ihnen drastische Strafen drohen, versorgen etliche Dorstener die von den Nazis als „slawische Untermenschen" bezeichneten Ostarbeiter heimlich mit Nahrungsmitteln.

Die Schlacht bei Stalingrad kennzeichnet die Kriegswende.

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1943

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Zwangsarbeiter­­innen, die in Dorstener Lagern leben, müssen ihre Kinder im Entbindungs- und Abtreibungs­­lager für Ostarbeiterinnen in Waltrop-Holthausen zur Welt bringen. Viele Mütter und Neugeborene ­­sterben nach der Entbindung an unzureichender medizinischer Versorgung oder an Unterernährung.

Ostarbeiter­innen bei der Munitions­fertigung (Muna Wulfen)

1943 / 1944

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Der katholische Geistliche Laurenz Schmedding wird von der Gestapo verhaftet und in das KZ Dachau gebracht, weil er Ostarbeitern und Kriegsgefangenen geistlichen Beistand geleistet hat. In Tönsholt wird für die Firma Krupp ein Lager für 3.000 Zwangsarbeiter errichtet.

Die Alliierten erobern Sizilien und landen in Italien und Frankreich. Am 20. Juli scheitert das Attentat auf Hitler.

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1944

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Viele Zwangsarbeiter sehen keinen anderen Ausweg als Flucht oder Selbstmord. Andere kommen bei einer Explosion in der Muna oder bei den Bombenangriffen der Alliierten um. Vor allem auf dem Lande entwickeln sich in den Kriegsjahren zwischen den Bauern und den auf ihrem Hof tätigen Ostarbeitern Freundschaften, die den Krieg überdauern.

Das Deutsche Reich kapituliert am 8. Mai bedingungslos.

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1945

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Nach dem Einmarsch der Alliierten beunruhigen Plünderungen und Gewalttaten befreiter Ostarbeiter die Bevölkerung.

1946

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Im September registriert die britische Besatzungsmacht 2070 „Displaced Persons“ (befreite ausländische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter).

Gedenkstein auf dem „Russenfriedhof”

1985

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Die Forschungsgruppe „Dorsten unterm Hakenkreuz" erinnert an das Schicksal der osteuropäischen Zwangsarbeiter in Dorsten während des 2. Weltkrieges.

1995

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Die KAB St. Bonifatius Holsterhausen übernimmt die Patenschaft für den „Russenfriedhof".

16 Firmen gründen die Stiftungs­­initiative der deutschen Wirtschaft zur Entschädigung ehemaliger Zwangs­­arbeiter.

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1999

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Daten und Fakten

Eröffnung - 08. Februar 2003

Adresse - Russenfriedhof Emmelkämper Mark

Geodaten - 51°41'34.3 6°57'05



Übergabe am 08. Februar 2003

Feierliche Übergabe mit Herrn Bürgermeister Lambert Lütgenhorst

Eingang des Friedhofes

Gedenkstein auf dem „Russenfriedhof”

„Wir dürfen sie nicht vergessen"

Blick auf den Friedhof