Archiv der Events, Aufführungen und Festivals

Das Alte Rathaus als multifunktionaler Veranstaltungsort in Dorsten

Der Dracula Kongress 2012 (von Dr. Josef Ulfkotte - Peter Günther - 03.05.2012)

Als die Organisatoren beim Trägerverein nachfragten, ob der Dracula-Kongress und der anschließende Vampirball in
unserem Alten Rathaus stattfinden dürften, hatte ich etwas gemischte Gefühle, was da wohl an merkwürdigen Sachen auf
uns zukämen. Würde unser historisches Gebäude mit der nötigen Sorgfalt und Vorsicht behandelt und was für Leute
kommen nach Dorsten?
Es stellte sich aber heraus, dass an diesem Kongress hochkarätige Persönlichkeiten teilnehmen, wie der Mythenforscher
Dr. Hans Meurer, die als Madendoktor international bekannte Dr. Mark Benecke und Wolfgang Hohlbein, der allein in
Deutschland 35 Millionen Exemplare seine Bücher abgesetzt hat.
Und das Vorhaben Kongress hatte auch viele andere Fassetten:

· Eine Ausstellung von Figuren und Filmplakaten
· Eine Kabaretteinlage: Marcel Reich-Ranicki ist nicht ganz echt
· Referate von Meurer und Dr. Benecke
· Hohlbein – Lesung aus seinem neuen Buch - UNHEIL
· Ein Büchertisch der Altstadtbücherei
· Podiumsdiskussion
· Autogramm- und Signierstunde
· Ball – Tanz – Disko - Essen - Thekenbetrieb
· Menuett Tanz - Workshop
· Kostümprämierung
· Livegesang und Duett des Musicalliedes „Totale Finsternis“

Apropos „totale Finsternis“. Mark Benecke hatte vertraglich vorgeschrieben, dass der Raum total abgedunkelt sein
müsse. Das war nicht einfach, alle Fenster wurden mit einer schwarzen Folie abgedeckt.

Am Ende der Nacht waren die Veranstalter sehr mit ihrem Kongress zufrieden. Alles hat geklappt und es ist bewiesen,
dass unser Altes Rathaus ein vorzüglicher Veranstaltungsort ist, der alle Anforderungen erfüllen konnte.

Josef Ulfkotte, Trägerverein Altes Rathaus

Der Kongress fand nicht nur in der lokalen Presse Beachtung, auch Funk und Fernsehen waren interessiert. So wiesen
die Lokalzeit Dortmund im WDR 3 und der Sender Westfalen Münster (WM-TV) auf die Veranstaltung in Dorsten hin.
Zwei Aufnahmeteams waren vor Ort und auch in „DER WESTEN, der Internetausgabe der WAZ, ist ein Video zu sehen.




Hierzu schrieb die Dorstener Zeitung, Christian Nordmann:

Dracula-Kongress in DorstenVampire sind die beste Projektion unserer Urängste

DORSTEN Mit Vampiren hat unser Volontär Tobias Nordmann natürlich nicht viel gemeinsam. Seine Berührungspunkte
mit den Blutsaugern beschränken sich auf ein paar Folgen von „Der kleine Vampir“ in seiner Kindheit. Trotzdem haben wir
ihn am Samstag zum Dracula-Kongress im Alten Rathaus geschickt. Sein Arbeitsauftrag: Was macht eigentlich die
Faszination Vampir aus?

Vorsichtig öffne ich die schwere Tür zu dem Gebäude am Marktplatz. Alles ist dunkel. Ein paar Kerzen, mehr kann ich auf
den ersten Blick nicht entdecken. Plötzlich steht ein Mann vor mir. Ich hoffe doch, dass er ein Mann ist. Er ist groß, sehr
groß. Ich darf das sagen, denn auch ich bin nicht gerade klein gewachsen. Seine weißgrauen Haare hat er zu einem Zopf
gebunden. Er trägt einen schwarzen Umgang.

Ein Bild vor Augen
Er stellt sich als Fritz L. Brüggemann vor. Er ist ein Mensch. Er ist einer der Organisatoren des Kongresses. Mittlerweile
haben sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt. Ich erkenne Plakate, Filmplakate. In einer der hinteren Ecken steht
eine lebensgroße Dracula-Figur, angestrahlt von vielen Kerzen, Grableuchten. Komisch. Ich habe eigentlich keine
Ahnung von Vampiren, dennoch habe ich es mir genauso vorgestellt. Das Blut an den Lippen der Figuren, die weiße
Haut, die spitzen Zähne, die roten Augen. „Sehen Sie, jeder hat direkt ein Bild vor Augen, wenn es um Vampire geht,
jeder weiß sofort Bescheid“, sagt Brüggemann.

Ich krame in meinem Gedächtnis. Weiß ich tatsächlich Bescheid? Es rattert. Vampire mögen keinen Knoblauch, fällt mir
ein. Bei Tageslicht können sie nicht überleben. Sie lieben Blut, mit einem Pflock kannst du sie töten. Nicht schlecht für
den Anfang. Aber es geht nicht um mein Wissen, ich bin auf der Suche nach dem „Wer“ und dem „Warum“. Ich hake
nach, bei Fritz Brüggemann.

Über das Sponsoring, so erzählt er, hat ihn die Faszination für die Blutsauger gepackt. Brüggemann ist Geschäftsführer
der Firma Alcomix. Das Unternehmen verbreitet den Dracula-Schnaps. „So bin ich so in dieses Netzwerk
hineingekommen.“ Einen Ausweg hat er nicht gefunden, im Gegenteil: Bücher, Filme – die komplette Vampirkultur ist sein
Hobby geworden, vielleicht sogar seine Leidenschaft. Was ihm wichtig ist: die Betonung auf Kultur. Für Menschen, die
sich aufschlitzen, oder Blut trinken – auch die gibt es – hat er nichts übrig.

Bücher über Vampire geschrieben
Wir reden über den klassischen Vampir, über die Twilight-Filme und über den Kinostreifen „Blade“. Hat sich die Rolle des
Vampirs verändert? Sie hat. Werden Darstellungen wie Twilight ein neues Bild der Vampire ergeben? „Das ist eine Frage,
die sie mit den Experten diskutieren können“, sagt Brüggemann. Okay, mache ich.

Als Gesprächspartner suche ich mir Hans Meurer aus. Er ist Mythenforscher, hat Bücher über Vampire geschrieben. Über
„Alte Geschichte“ und Philosophie ist er zu den Blutsaugern gekommen. Was er zu erzählen hat, ist spannend. Meine
Frage rückt ein wenig in den Hintergrund, eine Antwort bekomme ich trotzdem. „Der Vampir wird vielfältiger.“ So wie die
Gesellschaft. Diese Phänomen ist ein Interesse von Hans Meurer. Für den Wissenschaftler hat dieses düstere Thema
auch einen soziologischen Hintergrund. Er redet weiter, ich höre ihm zu. Und plötzlich sagt er einen Satz, einen ganz
zentralen Satz: „Der Vampir ist die gelungenste Projektion unserer Urängste.“

Stoff für Diskussionen
Ist es wirklich das, was die Menschen antreibt? Ist es das, was den Mythos Dracula und der Blutsauger ausmacht?
Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Und vielleicht ist es gut, dass die Antwort nicht eindeutig ist. Es bleibt Stoff für
Diskussionen. Der Vampir bewegt die Menschen, so viel ist mir klar geworden. Der Vampir verändert sich. Er verändert
sich, weil die Menschen ihn verändern. Er war immer ein Gesprächsthema, er ist immer noch ein Thema, und er wird es
vermutlich auch bleiben.

Zum Abschluss will ich noch einmal ehrlich sein: Das Vampirfieber hat mich nicht gepackt. Trotzdem werde ich wieder Ja
sagen, wenn mich der Kollege eines Tages ganz unverfänglich fragt: Sag mal, was hast du eigentlich am Wochenende
vor? Willst du nicht zum Dracula-Kongress gehen?

Bilder zum Draculakongress 2012 im Alten Rathaus


Dracula bei Kerzenlicht


gemischtes Publikum


Bücher werden signiert


Holbein, Günther, Benecke vlnr


Podiumsdiskussion


o. w.


Film-Plakataustellung


Figurenausstellung


Tanz der Vampire


Tanz der Vampire


Kostümprämierung