Archiv - Aktivities des Lionsclubs Dorsten-Hanse

Wolfgang Gorniak

Petrinum-Schüler verabschieden ihren Schulleiter und feiern ihn wie einen Popstar (von Sandra Heick - Dorstener Zeitung - 25.06.2015)

„Ich fühle mich wacklig“

DORSTEN. Sie haben Wolfgang Gorniak gefeiert wie einen Popstar, die Schüler des Petrinums. 1999 ist er Schulleiter geworden, jetzt geht er in den Ruhestand – mit wackligen Beinen. Daran, dass sie wackeln, sind die Schüler schuld. Und 600 Luftballons.

Drei Stunden lang füllen die Schülervertreter des Petrinums Luftballons mit Helium. Wolfgang Gorniak weiß von all dem nichts. Er denkt, dass er vor der offiziellen Verabschiedung in Ruhe die Post bearbeiten kann. Aber dann kommt alles anders. Die Schülervertreter entführen ihn aus seinem Büro in die Turnhalle. Dort warten Schüler und Ehemalige, spenden ihm tosenden Applaus. Sie sind aufgeregt. Und sichtlich traurig, dass es Abschied nehmen heißt.

An einen Mikrofonständer ist ein roter Luftballon geknotet. Ein Hinweis auf das, was kommen wird. Aber Gorniak ahnt nichts. Absolut nichts. Die Schüler des Petrinums haben heimlich ein Programm auf die Beine gestellt, sogar ein Lied umgetextet. Aus 66 Jahren, die Udo Jürgens einst besang, wurden 62.

„Mit 62 Jahren, da fängt das Leben an“, singen die Schüler der 6a. „Kein Paragrafendickicht, es juckt ihn kein Erlass, da merkt selbst unser Wolle, so macht das Leben Spaß.“ Und sie ahnen auch, was „Wolle“ dann so macht als Pensionär. „Er kauft sich einen Volvo, ein Rennrad muss auch her. Dann fegt er durch die Gegend, das fällt ihm gar nicht schwer. Und zieht‘s ihn in die Ferne, nach Rom oder auch Trier, dort trifft er viele Römer und trinkt mit ihnen Bier.“

Harry Potter und die Römer Die Römer, die liebt Gorniak. Er hat nie mit Geschichten über sie gespart, sagen seine Schüler, und schon mal der Führerin in einem Römermuseum unter die Arme gegriffen. Und weil er auch Harry Potter liebt, spielt die Klasse 6e „Hedwigs Theme“ für ihn.

In der Turnhalle ist es mucksmäuschenstill, als die ersten Töne erklingen. Ein Gänsehautmoment. Ein weiterer folgt, als alle Schüler sich erheben und Mark Forsters „Au revoir“ anstimmen. „Es wird nie mehr sein, wie es war.“ Dann wird Gorniak nervös. Die Klassen werden nacheinander aus der Halle zitiert, er und seine Frau bleiben ahnungslos zurück. Als sie nach draußen gelotst werden, strahlen sie. Die Schüler stehen Spalier, halten die Luftballons der Schülervertreter in den Händen. Gorniak klatscht Schüler ab, streckt ihnen freundschaftlich die Faust entgegen. Er lässt sich feiern. Doch da sind ein lachendes und ein weinendes Auge.

„Ich glaube, ich mag die zu sehr“, sagt er, nachdem 600 Ballons mit guten Wünschen für ihn in den Himmel gestiegen sind. Der Abschied fällt ihm sichtlich schwer, genauso wie den Schülern. „Ich fühle mich wacklig“, sagt Gorniak. „Ich muss das Ganze hier erst mal verdauen.“ Er blickt den Ballons hinterher und schluckt. „Es wird nie mehr sein, wie es war.“ Sandra Heick

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